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Call by Call und Preselection: Immer noch 5,1 Millionen Nutzer


Call by Call und PreselectionCall by Call und Preselection stehen wieder einmal auf der Kippe. Dabei werden Call by Call und Preselection auch heute noch von Millionen Verbrauchern in Deutschland genutzt, wie zwei aktuelle Studien zeigen.

Prof. Thorsten Gerpott von der Uni Duisburg-Essen stellt in Kooperation mit der Unternehmensberatung Dialog Consult eine Studie zu Vorteilen von Call by Call und Preselection vor. Demnach gab es in Deutschland im Jahr 2014 noch 5,1 Millionen Haushalte, die Preselection nutzen. 2013 waren es noch 5,8 Millionen.

Insgesamt liegt der Anteil der Call-by-Call- und Preselection-Nutzer bei den 8,27 Millionen Haushalten mit Telekom-Festnetzanschluss ohne gebuchte Flratrate bei immerhin 61,8 Prozent. Davon wiederum nutzen 84 Prozent Call by Call und 16 Preselection.

5,1 Millionen nutzen Call by Call und Preselection

Damit hat sich die Quote gegenüber den beiden Vorjahren nur unwesentlich verschlechtert. Pro Jahr telefonieren die Call-by-Call-Kunden 981,6 Minuten (Stand: 2014). Auch dieser Wert ist nur unwesentlich schlechter als in den Jahren 2013 und 2012.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 8,03 Millionen Minuten über Call by Call und Preselection abgewickelt. Dabei hat sich der Anteil der Telefonate, die ins Ausland abgehen, auf 3,603 Millionen Minuten (44,8 Prozent) vergrößert. In die Mobilfunknetze gingen rund 1,258 Millionen Minuten (15,7 Prozent) und in die deutschen Festnetze 3,169 Millionen Minuten (39,5 Prozent) ab.

Call by Call und Preselection sparen immer noch Geld

Dass Call by Call und Preselection vor allem für Telefonate ins Ausland immer noch attraktiv sind, liegt an den verhältnismäßig günstigen Preisen. Von Dialog Consult wurden dabei die Minutenpreise für Telekom-, Vodafone- und Unitymedia-Kunden verglichen, die für Verbindungn in die 100 bevölkerungsreichsten Länder der Erde gezahlt wurden.

Im April 2015 betrugen die Preise der Festnetzbetreiber im Mittel das 5,8-Fache bzw. 10,1-Fache der fünf günstigsten Call-by-Call-Tarife. Die Preiseinsparung liegt also laut Studie bei 83 bis 90 Prozent.

In extremen Fällen wie z.B. bei Telefonaten nach Frankreich, Kasachstan, Peru oder Thailand sind die Preise der Festnetzbetreiber sogar neun- bis 235-mal teurer als Call by Call und Preselection. In Prozent könnten 88,9 bis 99,6 Prozent mit den fünf günstigsten Call-by-Call-Providern gespart werden.

Zudem beschäftigte sich Dialog Consult damit, was Verbraucher nicht sparen könnten, wenn Call by Call und Preselection nicht existieren würden. Derzeit liegt dieser Wert bei rund 600 Millionen Euro pro Jahr. Vermutlich würde die Telekom als größter Festnetzbetreiber aber die Preise gegenüber heute anheben, so dass sich ein vermutliches Einsparpotenzial von 1,9 Milliarden Euro ergeben würde.

Wer nutzt Call by Call und Preselection?

Doch wer nutzt Call by Call und Preselection überhaupt. Dazu untersuchte Dialog Consult 150.000 anonymisierte Datensätze. Der durchschnittliche Nutzer ist 72 Jahre alt und ist finanziell weniger begütert. Zudem nutzt er das Internet wenig bis gar nicht. So sind 95 Prozent der Preselection-Kunden nicht per E-Mail erreichbar.

Außerdem ist der Anteil der Nutzer mit Migrationshintergrund relativ hoch. Die stärksten Gruppen bilden hierbei Türken, Polen und Russen. Eine besonders starke Nutzung von Call by Call und Preselection in einer deutschen Region ist hingegen nicht festzustellen.

Call by Call und Preselection für Auslandstelefonate wichtig

Dass Call by Call und Preselection vor allem für Telefoante ins Ausland eine wichtige Rolle spielen, zeigt auch eine Studie von WIK Consult. Während die Nutzung von Call by Call und Preselection dieser Studie insgesamt abnimmt, nimmt die Zahl der Minuten in ausländische Netze zu. Im Vergleich von 2014 zu 2013 stellte WIK Consult eine Steigerung von 4,2 Prozent pro Jahr fest.

Die Preisersparnis durch Call by Call und Preselection ist laut Studie vor allem bei Verbindungen ins Ausland immer noch enorm. Bei Telefonaten in die Türkei spart man so 60 Prozent, bei Telefonaten in die USA sogar 75 Prozent gegenüber den Tarifen der Telekom. Auch alternative Festnetzbetreiber wie congstar, 1&1 oder Kabel Deutschland liegen mit ihren Minutenpreise deutlich höher als Call by Call und Preselection.

Auch die zunehmende Verbreitung von Smartphones hat laut Studie nicht dazu geführt, das Mobilfunk-Angebote den Bestand von Call by Call und Preselection gefährdeten. Im Wesentlichen konzentrierten sich die Mobilfunk-Provider auf günstige Inlandstarife („All-Net-Flats“).