Call by Call und Preselection vor dem Aus?
Politiker, Verbraucherschützer und Telekom-Wettbewerber wollen Call by Call und Preselection gern erhalten, während die Bundesnetzagentur sich bedeckt hält. Das ist das Fazit einer Podiumsdiskussion, die von den Call-by-Call-Anbietern 010012 GmbH, 01051, 3U Telecom, Callax, Star Communications, Tele2 und Ventelo ausgerichtet wurde. Dabei nutzen immer noch rund fünf Millionen Haushalte in Deutschland Call by Call und Preselection.
Studien von Dialog Consult und WIK Consult zufolge spielen Call by Call und Preselection vor allem für ältere Menschen, sozial Schwache und Migranten nach wie vor eine wichtige Rolle. Trotzdem könnte die jüngste Richtlinie der EU-Kommission dafür sorgen, dass die Telekom künftig Call by Call und Preselection nicht mehr ermöglichen muss.
Call by Call und Preselection: Bundesnetzagentur hält sich bedeckt
Nach Angaben von Michael Schimmel von der Bundesnetzagentur, die im Endeffekt eine Entscheidung fällen muss, muss man sehr genau schauen, inwieweit die nationale Regulierung in Deutschland von der Richtlinie abweichen kann, die die EU-Kommission vorgegeben habe. Die Hürde sei sicherlich höher als in den letzten Jahren, aber es gebe eigentlich genügend Argumente für einen Erhalt von Call by Call und Preselection in der Bundesrepublik. Allerdings werde der Grundbedarf der Menschen, die Kommunikation innerhalb Deutschlands, heute schon von günstigen Festnetz- und Mobilfunktarifen gewährleistet.
Call by Call und Preselection: Politik und Verbraucherschützer für Erhalt
Nach Meinung von Thorsten Schick, Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen, ist Call by Call und Preselection auch ein politisches Thema, weil diese Wege der Kommunikation immer noch von einer großen Bevölkerungsgruppe genutzt werde. Gerade in Zeiten, wo Migranten nach Deutschland strömten, sei es überlegenswert, Call by Call und Preselection zu erhalten, da gerade Migranten diese Dienste gerne nutzten.
Peter Schaar, der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte, meint, dass die vor allem jungen Menschen, die derzeit als Flüchtlinge nach Deutschland kämen, primär WhatsApp und Skype nutzten, um mit ihren Lieben im Ausland in Kontakt zu bleiben. Allerdings hätten diese OTT-Anbieter ein gestörtes Verhältnis zum Datenschutz, da Gespräche ohne Zustimmung der Nutzer mitgeschnitten würden. Ob dann solche Anbieter wirklich als Argument gegen die telekommunikationsrechtlich gebundenen Anbieter von Call by Call und Preselection herhalten könnten, sei fraglich. Auch die Gesprächsqualität von WhatsApp und Skype spreche nicht für diese Argumentation.
Nach Meinung des Call-by-Call- und Preselection-Experten Kai Petzke hat Call by Call und Preselection eine wichtige Rolle, weil es einerseits ein „gelerntes“ Verhalten sei und andererseits eine Möglichkeit für finanzschwache Bevölkerungsgruppen sei, Geld zu sparen. Man sollte sogar überlegen, Call by Call und Preselection auch auf den Mobilfunkmarkt auszudehnen. Schon so seien die Minutenpreise der Festnetzbetreiber trotz immer günstigerer Kommunikationswege nicht wesentlich nach unten gegangen.
Telekom-Wettbewerber:
Verstärkte Lobbyarbeit für Call by Call und Preselection
Für Dr. Frederic Ufer vom VATM ist der Paradigmenwechsel der Brüsseler Politik das größte Problem. Während man bei der EU früher wettbewerbsfreundlicher gehandelt habe, gebe es seit 2014 verstärkte Tendenzen, Marktkonsolidierungen zu unterstützen. Insofern müsse es aus Deutschland mehr Lobbyarbeit geben, um für den Erhalt von Call by Call und Preselection in Deutschland zu sorgen.
Over-the-Top-Anbieter wie WhatsApp und Skype sind nach Meinung von Rockstein nicht unbedingt ernstzunehmende Konkurrenten. Dies hänge mit der Struktur der Call-by-Call- und Preselection-Nutzer zusammen.