Wie funktioniert eigentlich Snapchat?
Was ist Snapchat? Mit 50% aller Nutzer unter 24 Jahren hat Snapchat wohl die jüngsten User in der Social Media Szene. Was die App für junge Leute so attraktiv macht und wieso sie ältere Mitbürger abschreckt möchten wir im Folgendem erklären.
Snapchat ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Instant-Messaging-Plattform der Welt. Seit sie 2011 von Robert Murphy und Evan Spiegel gegründet wurde, hat sich an ihrem Kernkonzept kaum etwas verändert. Es geht darum Bilder, für nur wenige Sekunden an einen Kontakt zu versenden und diese danach endgültig löschen zu lassen.
Nutzer von Snap erhalten mit der Registrierung kein eigenes Profil, sondern lediglich die Möglichkeit Snaps zu versenden und anzusehen. Anders als bei herkömmlichen Social Media Plattformen können die Follower (bei Snapchat „Freunde“ genannt) also nicht auf das eigene Profil zugreifen. Dadurch wird den Nutzern vor allem die Möglichkeit genommen, Bilder zu liken, zu teilen oder zu kommentieren.
Snaps erstellen und erhalten
Als Snaps bezeichnet man die Bilder und Videos, die man mit Hilfe der App Snapchat verschickt. Diese zu erstellen ist so einfach gehalten wie möglich. Direkt nach dem Öffnen der App öffnet sich die Kamera und bietet einem die Möglichkeit ein einfaches Bild aufzunehmen.
Nach Aufnahme des Bildes kann man nun die Zeitspanne einstellen, in der es dem Empfänger möglich sein soll, das Bild anzugucken. Zwischen 1 und 10 Sekunden kann man eine beliebige Zeit wählen oder die Zeitspanne auf endlos stellen.Seit 2012 ist es außerdem möglich kurze Videos aufzunehmen, welche entweder in Dauerschleife laufen oder nur einmal gezeigt werden. Den Snap kann man nun an beliebig viele Personen verschicken, welche man einzeln auswählt. Diese Auswahl ist nach Kommunikationsaktivität sortiert. Das heißt, dass die fünf Freunde, mit denen man sehr oft snapt prominent bei den besten Freunden zu finden sind. Die restlichen Kontakte werden nach Alphabet geordnet.
Erhält man einen Snap, so wird dies auf der Oberfläche angezeigt, welche erscheint, wenn man auf der Snapkamera nach rechts wischt. Dort sind alle Kontakte aufgelistet, die man geaddet hat und somit von Snap zu deinen Freunden gezählt werden.
Dabei rutschen neue Snaps immer nach oben und sind so leicht zu finden.
Nachdem man einen Snap angeguckt hat, besteht die Möglichkeit, diesen einmalig zu wiederholen. Aber Achtung: Diese Wiederholung wird dem Versender des Snaps angezeigt. Außerdem ist es natürlich immer möglich, einen Screenshot von dem Bild zu machen. Auch darüber wird der Ersteller des Snaps informiert.
Stories und Shows
Neben dem Versenden eines Snaps kann man diesen auch seiner Story hinzufügen. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, eine Story zu erstellen und das aufgenommene Bild oder Video für 24 Stunden zu posten.
Die Storys sind chronologisch sortiert. Das erste hinzugefügte Bild wird also auch als erstes angezeigt.
In den Einstellungen kann man festlegen, ob die Story nur von Freunde oder von jedermann gesehen werden kann. So kommt es auch zu den Shows. Diese kommen entweder von privaten Influencern oder von Unternehmen.
So haben zum Beispiel viele Magazine wie „Bunte“ oder „Bild“ jeden Tag eine öffentliche Story, die vielen Usern unter den Storys der Freunde angezeigt wird. Um zum Bereich der Storys zu kommen, muss man von der Snapkamera einfach nach links wischen.
Ein Grund, warum Snapchat oft so befremdlich auf Neueinsteiger wirkt, ist dass auch hier keine direkte Reaktion möglich ist. Es findet also ein reines Konsumieren und kein Kommunizieren statt.
Filter und Linsen
Die App ist vor allem für ihre vielen unterschiedlichen Filter und Linsen bekannt und beliebt. Jeder Snap kann mit einem Filter versehen und im Nachhinein einfach und schnell bearbeitet werden.
Eine Schreibfunktion bietet zum Beispiel die Möglichkeit, dem Bild einen Text hinzuzufügen. Mit der Stiftfunktion kann man zudem auf dem Bild frei herum malen. Einige Filter zeigen den Ort oder die Uhrzeit an, während andere auf besondere Ereignisse hindeuten, wie z.B. die Fußball-WM oder den Weltfrauentag.
Mit Linsen kann man ein Bild schon bevor es aufgenommen wurde verändern. So gibt es viele Selfielinsen, welche das Gesicht mit Hundeohren oder anderen lustigen Effekten versehen.
Des Weiteren bietet Snapchat Minispiele an, die man mit einem Freund spielen kann und oft mit einem Video verbunden sind.
Seit längerem gibt es bei Snap nun schon die Möglichkeit, personalisierte Filter und Linsen zu erstellen.
Diese sind meist kostenpflichtig und in ihrer Dauer begrenzt. Lediglich die Community-Filter, welche für alle zugänglich sind, sind kostenfrei.

Memories und der Private Bereich
In den Memories kann man alle Snaps aufbewahren, welche man nicht gelöscht haben will. Sie fungieren als eine Art Flashback, denn in den Memories kann man sich immer angucken, was man an diesem Tag vor einem, zwei, drei, … Jahren gemacht hat – sofern man ein Bild dieses Tages in seinen Memories gespeichert hat.
Der Private Bereich ist ein Unterabschnitt der Memories. Hierher kann man private Bilder verschieben, die man sich nur nach der Eingabe eines Sicherheitscodes ansehen kann.
Privater- und Gruppenchat
Es ist möglich, innerhalb der App einen privaten Chat mit einer anderen Person zu starten. Neben Einzelchats kann man außerdem Gruppenchats erstellen, in die man nicht nur schreiben, sondern auch Bilder schicken kann.
Doch genau wie die Bilder verschwinden die Textnachrichten, nachdem man sie sich angeguckt hat. Nur indem man sie einzeln speichert, bleiben die Nachrichten im Chat bestehen. Seit dem 1. Mai 2014 kann man seine Freunde per Sprach- oder Videoanruf kontaktieren. Auch diese Funktion ist mit mehr als zwei Teilnehmern möglich.
Bitmoji und SnapMap
Mit dem Bitmoji kann sich jeder User eine eigene, individuell gestaltete Figur erstellen. Diese taucht als Gesicht neben den gesendeten Snaps auf und zeigt den Standort auf der SnapMap an. Beim Erstellen des Bitmoji kann man Gesicht, Haare und Figur einstellen und der kleinen Figur ein Outfit anziehen. Snapchat bietet mehrere Outfits an, welche man nach Lust und Laune wechseln kann.
Die wichtigste Eigenschaft des Bitmoji ist, dass er, wenn erlaubt, auf der seit Juni 2017 bestehenden SnapMap den Standort des Nutzers anzeigt. So teilt dieser dauerhaft seinen Standort mit all seinen Freunden. Diese Funktion ist aus Gründen den Datenschutzes sehr umstritten, vor allem bei älteren Nutzern. In den Einstellungen kann jeder User festlegen, wer ihn auf der SnapMap sehen darf oder ob er ganz im Geistermodus bleibt und seinen Standort verschleiert.
Mit der Funktion Crowd Surf hat Snapchat noch mehr Anteilnahme geschaffen. Diese Funktion erlaubt es Snaps anzusehen, die überall auf der Welt gemacht wurden. Die Karte verfärbt sich, um die Aktivität an bestimmten Orten anzuzeigen. Mittlere Aktivitäten werden dabei blau und hohe Aktivitäten werden rot angezeigt.
Freunde finden
Es gibt drei Hauptwege, um neue Freunde zu „adden“. Die erste Option stellt der Nutzername dar. Dieser kann in der Suchleiste eingegeben werden und führt einem direkt zu dem Nutzer. Die zweite Option entsteht über die Kontakte, die bereits im Smartphone gespeichert sind. Erlaubt man Snapchat auf diese Kontakte zuzugreifen, so zeigt es einem an, welcher seiner Kontakte ebenfalls auf Snapchat zu finden ist. Die dritte Option ist der Snapcode. Jeder Nutzer hat einen individuellen Snapcode, der einfach eingescannt werden kann und einem zum gewünschten Nutzer führt.
Nachdem man sich mit Menschen angefreundet hat, heißt es Kontakt halten. Dabei helfen die Flammen-Emojis, welche neben einem Kontakt auftauchen, wenn man drei Tage hintereinander mit diesem gesnappt hat und sich dann täglich vermehren. Allerdings führen diese auch oft zu unnötigen Snaps und zu emotionalem Druck.
Werbung und Datenschutz
Seit längerem ist Snap nun schon ein beliebtes Werbeportal für Unternehmen. Mit 229 Millionen Nutzern täglich, welche sich durchschnittlich länger als 30 Minuten in der App aufhalten, ist es möglich eine riesige Personengruppe zu erreichen.
Eine eigene Shop-Funktion trägt außerdem dazu bei, dass Snap immer attraktiver für Werbekunden wird. Zwei Erfolgsgeschichten, die bei Snapchat beworben werden, sind Wish und Hopper.
Das Hauptargument, warum Snapchat immer noch kritisch betrachtet wird, sind die umstrittenen Datenschutzregelungen von Snapchat. Snapchat darf laut Geschäftsbedingungen Bild und Stimme der Nutzer für eigene Zwecke verwenden. Diesem kann man auch nicht entgehen und stimmt den Richtlinien mit Benutzung der App gezwungenermaßen zu.